Besonderheiten bei der Bilanzierung von Profifußballvereinen - Dargestellt am Beispiel ausgewählter Abschlussanalysen

von: Stephan Marek

GRIN Verlag , 2014

ISBN: 9783656585909 , 55 Seiten

Format: PDF, ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 16,99 EUR

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Besonderheiten bei der Bilanzierung von Profifußballvereinen - Dargestellt am Beispiel ausgewählter Abschlussanalysen


 

3. Rechtliche Rahmenbedingungen des Verbandes


 

3.1 Die Lizenzordnung Spieler


 

Die Lizenzordnung Spieler (LOS) basiert im Wesentlichen auf den FIFA-Transferreglements und impliziert somit ebenfalls die auf dem Bosman-Urteil basierenden Neuerungen. Fakt ist, dass aufgrund der Mitgliedschaft des DFB bei der FIFA alle nationalen Verbände das Regelwerk des Weltverbandes berücksichtigen müssen.[50] Dabei ist die LOS von dem DFB-Reglement zu unterscheiden, welches die Grundlage für Transfervorgänge innerhalb Deutschlands bildet.[51] Der Zuständigkeitsbereich der LOS-Regelungen bezieht sich weitestgehend auf die Erteilung und den Entzug von Lizenzen und Spielberechtigungen.[52] In diesem Zusammenhang macht das Regelwerk mögliche zeitliche Unterschiede hinsichtlich der rechtlichen und sportlichen Nutzbarkeit des Spielervermögens greifbar. Folglich liegt die LOS, in der Fassung vom 21. Dezember 2005, den nachfolgenden Ausführungen im Hinblick auf die Bilanzierung des Spielervermögens zugrunde, wobei die FIFA-Transferreglements im weiteren Verlauf keine Beachtung mehr finden.

 

3.2 Nutzbarkeit von Spielervermögen


 

Im Zuge eines Spielertransfers und der damit verbundenen Verfügbarkeit über das Spielervermögen wird zwischen der rechtlichen und sportlichen Nutzbarkeit unterschieden. Da ein Lizenzspieler mit Abschluss des Arbeitsvertrages als Arbeitnehmer zu qualifizieren ist, kann der aufnehmende Lizenzverein das Spielervermögen bereits zu diesem Zeitpunkt rechtlich nutzen.[53] Ferner sind Spieler „für Training und Spiel Weisungen unterworfen, leisten also unselbstständige, fremdbestimmte Arbeit in persönlicher Abhängigkeit.“[54] Die rechtliche Nutzbarkeit des Spielervermögens geht zudem aus § 6 Nr. 4 LOS hervor, indem der abgeschlossene Arbeitsvertrag eine Einigung zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber enthält, wonach der Lizenzspieler der exklusiven Übertragung seiner Persönlichkeitsrechte an den Lizenzverein zustimmt. Den Gegenstand der Abtretung stellen die technischen Medien und Einrichtungen sowie Multimedia-Anwendungen in jeder Abbildungsform, insbesondere bezüglich der Verbreitung von Bildmaterial an Fernsehanstalten, dar. Des Weiteren bezieht sich diese Vorschrift auf die „Pflichttermine“ des Lizenzvereins, denen der Lizenzspieler beiwohnen muss.[55]

 

Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses verfügt der Verein noch nicht über die notwendige Spielerlaubnis zum Einsatz des Lizenzspielers in der Lizenzmannschaft. Die Teilnahme am Trainingsbetrieb bzw. anderen Veranstaltungen des Vereins bleibt davon jedoch unberührt. Hierbei ist zu beachten, dass dem Lizenzspieler gem. § 10 Nr. 2 LOS die Fortzahlung seiner Vergütungen auch dann zusteht, wenn er sich bereits zu diesem Zeitpunkt bei der Erfüllung seiner Vertragspflichten verletzt.

 

In Abgrenzung zur rechtlichen Nutzbarkeit des Spielervermögens wird im Folgenden die sportliche Nutzbarkeit betrachtet. Diese resultiert aus dem Einsatz des Lizenzspielers in der Lizenzmannschaft des Lizenzvereins.[56] Wie bereits beschrieben, bedarf es der Spielerlaubnis durch die DFL, um den Spieler im Spielbetrieb einsetzen zu können. Im Zuge des schriftlichen Antrages durch den Lizenzverein (gem. § 13 Nr. 1 LOS) und der Erfüllung der geforderten Voraussetzungen, wird die DFL die Spielerlaubnis unverzüglich erteilen. Diese Bedingungen entsprechen weitestgehend denen, die der Ligaverband zur Erteilung des Lizenzspielerstatus voraussetzt. Hinzu kommen die Aufnahme des Lizenzspielers in die Transferliste (§ 5 Nr. 5 LOS) sowie seine Verpflichtung, zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung und auch in Zukunft nicht über direkte bzw. indirekte Anteile an anderen Lizenzvereinen zu verfügen, wobei der Erwerb von Aktien der eigenen lizenzierten Kapitalgesellschaft nicht untersagt ist.[57]

 

Mit Ablauf des Arbeitsvertrages erlischt die Spielerlaubnis gem. § 13 Nr. 5 LOS umgehend. Somit kann der Lizenzverein das Spielervermögen ab diesem Zeitpunkt weder rechtlich noch sportlich nutzen.

 

3.3 Rechtsformspezifische Vorschriften


 

Fußballvereine müssen ihre wirtschaftlichen Verhältnisse bzw. das Leistungspotential im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens durch den Ligaverband nachweisen, um am Spielbetrieb der deutschen Lizenzligen teilnehmen zu dürfen.[58] Daraus folgt, dass auch Lizenzvereine spezielle Rechnungslegungs-, Prüfungs- und Publizitätsvorschriften anwenden müssen. Im weiteren Verlauf werden ausschließlich die Anforderungen an Kapitalgesellschaften betrachtet. Auf nichtwirtschaftliche rechtsfähige Vereine im Sinne des § 21 BGB wird in diesem Zusammenhang nicht weiter eingegangen.

 

3.3.1 Rechnungslegungsvorschriften


 

Seit dem 24. Oktober 1998 gewährt der DFB auch Kapitalgesellschaften die Teilnahme am Lizenzspielbetrieb.[59] Als Grundlage dient hierbei die Ausgliederung der Lizenzspielabteilung aus dem Mutterverein so, dass dieser noch immer mehr als 50% der stimmberechtigten Anteile innehat.[60]

 

Unter Anwendung des § 6 HGB sind Lizenzvereine in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft als Kaufleute zu qualifizieren. Demnach unterliegen diese hinsichtlich der Aufstellung des Jahresabschlusses den ergänzenden Vorschriften der §§ 264 bis 289 HGB. Dabei besteht gem. § 264 HGB die Pflicht zur Aufstellung des Jahresabschlusses durch die gesetzlichen Vertreter innerhalb der ersten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres. Darüber hinaus existiert die Möglichkeit nach § 325 Abs. 2a i.V.m. Abs. 2b HGB einen Jahresabschluss nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften offenzulegen. Dieser dient in diesem Fall ausschließlich dem Informationszweck.

 

Zu den Bestandteilen des Jahresabschlusses einer Kapitalgesellschaft gehören sowohl nach handelsrechtlichen, als auch nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften die Bilanz (balance sheet), die Gewinn- und Verlustrechnung (income statement) und der Anhang (notes). Entspricht der Lizenzverein einer mittelgroßen oder großen Kapitalgesellschaft im Sinne des § 267 Abs. 2 und 3 HGB, muss der Jahresabschluss um einen Lagebericht erweitert werden.

 

Nach IAS/ IFRS ist die Erstellung des Lageberichts nicht zwingend erforderlich. Bei alternativer Offenlegung des Jahresabschlusses nach internationalen Rechnungslegungs-standards müssen hierbei jedoch zusätzlich handelsrechtliche Vorschriften beachtet werden. Das bedeutet, dass auch bei der befreienden Erstellung des Konzernabschlusses gem. § 315a Abs. 1 oder § 325 Abs. 2a S.4 HGB die Beachtung bestimmter Regelungen des HGB erforderlich ist. Demnach kann sich die Erweiterung des Jahresabschlusses um den Lagebericht ergeben.[61]

 

Darüber hinaus unterscheiden sich nationales und internationales Rechnungslegungssystem hinsichtlich der Gliederungsvorschrift.

 

Im Handelsrecht ist gem. § 266 HGB eine detaillierte Gliederung vorgegeben, während IAS 1.68 lediglich bestimmte mindestens darzustellende Posten vorschreibt, welche wiederum um zusätzliche Positionen ergänzt werden können.

 

IAS 1.8 sieht neben den bereits betrachteten Bestandteilen des Jahresabschlusses zusätzlich eine Kapitalflussrechnung (cash flow statement) und eine Aufstellung der Veränderung des Eigenkapitals (statement of changes in equity) vor.

 

Gliedert ein Mutterverein seine Lizenzspielabteilung in Form einer Kapitalgesellschaft aus und können die Voraussetzungen des Konzepts der einheitlichen Leitung (§ 290 Abs. 1 HGB) oder des Control-Konzepts (§ 290 Abs. 2 HGB) als erfüllt betrachtet werden, ist er desweiteren zur Konzernrechnungslegung verpflichtet. Einbezug in den Konzernabschluss der Mutterunternehmung finden sämtliche konsolidierungspflichtige Tochtergesellschaften, wobei dieser Abschluss wiederum um eine Kapitalflussrechnung und eine Eigenkapitalveränderung zu erweitern ist.[62] Häufig besteht im Lizenzfußball dieses Mutter-Tochter-Verhältnis aus dem Lizenzverein und einem Ausrüster oder Vermarkter.[63]

 

Eine Kapitalgesellschaft ist nach IAS/IFRS grundsätzlich zur Aufstellung eines Konzernabschlusses gezwungen, wenn diese als kapitalmarktorientiert im Sinne von § 2 Abs. 1 S.1 i.V.m. § 2 Abs. 5 WpHG gilt. In den europäischen Lizenzligen ist dies keine Seltenheit. Bereits im Jahr 2001 nahmen zum Beispiel dreizehn Vereine aus Großbritannien einen organisierten Markt durch von ihnen ausgegebene Wertpapiere in Anspruch.[64] In Deutschland betrifft diese Verpflichtung lediglich die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA im Zuge ihrer Börsennotierung im Oktober 2000. Hertha BSC Berlin ist ein weiterer Bundesligaverein, der seine Lizenzspielerabteilung in der Rechtsform der Kommanditgesellschaft mit beschränkter Haftung auf Aktien ausgliederte. Den einzigen persönlich haftenden Gesellschafter stellt dabei die vereinseigene Hertha BSC Verwaltung GmbH dar.[65] Im Gegensatz zur Borussia Dortmund...