Verbotene Versuchung

Verbotene Versuchung

von: Kitty French

LYX, 2014

ISBN: 9783802595028 , 320 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 3,99 EUR

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Verbotene Versuchung


 

1


»Was kann ich bloß tun, damit mein Lebenslauf interessanter klingt, Kara? Ich würde mich auch nicht einstellen, wenn dies hier auf meinem Schreibtisch landen würde.« Sophie seufzte und schob ihrer Freundin über den kleinen Tisch das Papier zu.

»Dann pepp ihn ein bisschen auf. Das macht doch jeder.« Kara riss ein Päckchen Zucker auf und verteilte ihn auf dem Schaum ihres Cappuccinos. Während sie mit einem langen Holzstab in ihrem Becher rührte, studierte sie den Lebenslauf. »Nimm beispielsweise den Satz hier. Du schreibst: Ich war zehn Jahre als Assistentin der Geschäftsführung tätig.«

Sophie zuckte die Schultern. »Ja, das war ich.«

»Ja, ich weiß das«, erwiderte Kara, als spräche sie mit einem Kind. »Aber es muss cooler klingen. Witziger. Ein bisschen sexy.«

»Es war nicht cool«, schnaubte Sophie. »Oder sexy. Oder witzig. Die meiste Zeit habe ich Kostenvoranschläge für Doppelverglasungen getippt und Dereks Grabschhände abgewehrt.«

»Du musst mir schon ein bisschen helfen, Sophie«, seufzte Kara. »Für was für eine Stelle bewirbst du dich denn?«

»Wieder als Assistentin der Geschäftsführung, aber es ist eine deutlich größere Firma.«

»Auch ein Bauunternehmen?«

»Nein.« Sophie zögerte.

»Nun, was dann? Wir können deinen Lebenslauf auf jede Branche anpassen.«

Sophie beugte sich vor und senkte die Stimme, damit niemand sonst im Café verstand, was sie sagte. »Es ist ein Unternehmen der Unterhaltungsindustrie für Erwachsene.«

Karas Brauen schossen zu ihrem dichten Pony hoch, und sie fing an zu lachen. »Heiliger Strohsack, Sophie! Na, das ist vielleicht ein Karrieresprung. Weiß Dan davon?«

Sophie schüttelte den Kopf. Dan war schon wieder für ein paar Tage geschäftlich unterwegs, und es erschien ihr irgendwie unangemessen, ihm am Telefon von der Stellenanzeige zu erzählen. Sie hätte es ihm natürlich sagen können, bevor er gefahren war, aber er hatte so geschäftsmäßig und distanziert gewirkt. Wenn sie ganz ehrlich sein sollte, wollte sie es ihm erst erzählen, wenn ihr die Stelle tatsächlich angeboten wurde. Warum vorher unnötig die Pferde scheu machen!

Kara runzelte die Stirn. »Wie zum Teufel soll ich die Sexindustrie mit deiner Erfahrung in einem Bauunternehmen zusammenbringen?«

»Ich habe keine Ahnung.« Sophie biss ein Stück von dem Keks ab, den sie zu ihrer heißen Schokolade dazubekommen hatte, und fing an zu lachen. »Man könnte sagen, dass ich mich mit Schwellkörpern auskenne.«

Kara grinste und holte ihren Laptop aus der Tasche. »Na, jetzt bist du auf dem richtigen Weg. Komm schon. Lass uns sehen, was wir tun können.«

Ein paar Stunden und zwei große Blaubeer-Muffins später steckte Sophie ihren neuen, aufgepeppten Lebenslauf in einen Umschlag und warf ihn in den Briefkasten. Zuvor versiegelte sie ihn mit einem Kuss, damit er ihr Glück brachte.

Lucien Knight warf den Plastikbecher mit dem widerlichen Automatenkaffee in den Mülleimer und sah die Bewerbungen durch, die mit der morgendlichen Post gekommen waren. Wenn eine der Bewerberinnen ihr Talent zum Kaffeekochen anpries, würde er sie sofort zu einem Vorstellungsgespräch einladen.

Zu alt. Die erste Bewerbung folgte dem Kaffeebecher in den Abfalleimer.

Kleine Kinder. Die zweite folgte der ersten.

Er hatte weder etwas gegen ältere Frauen noch gegen Mütter. Er wollte nur schlicht eine Assistentin haben, für die er oberste Priorität hatte, und seiner Erfahrung nach versuchten ältere Frauen, ihn zu bemuttern, und junge Mütter waren zu sehr mit ihrem Nachwuchs beschäftigt, als dass er für sie die Nummer eins auf ihrer Liste sein konnte.

Auf dem dritten Umschlag fanden sich Spuren von Lippenstift, was er nicht schlecht fand.

Sophie Black. Sie bestand den Alterstest und schrieb nichts von Kindern oder von einem Ehemann. Dafür pries sie ihre Fähigkeiten an und betonte, dass sie überaus offen für Neues sei. Mädchen, die überaus offen für Neues waren, interessierten ihn sehr, ebenso wie Mädchen, die ihre Umschläge mit einem Kuss versiegelten. Obwohl Sophie Black nichts davon schrieb, dass sie gut Kaffee kochen konnte, legte er ihren Lebenslauf auf den Packen für Vorstellungsgespräche.

»Kara! Ich habe eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bei Knight Inc.«, flüsterte Sophie in ihr Mobiltelefon. Sie blickte zu Dereks Büro hinüber, der mit einem der Baustellenmeister in eine hitzige Diskussion verwickelt war.

»Ist nicht wahr! Das ist ja toll!«, zischte Kara zurück, die offenbar ebenso wenig sprechen konnte wie Sophie, die Neuigkeiten aber unbedingt hören wollte.

Beim Anblick des dicken cremeweißen Umschlags mit dem Logo von Knight Inc., der neben einigen braunen Rechnungen heute Morgen auf ihrer Fußmatte gelegen hatte, hatte Sophie ein aufgeregtes Kribbeln erfasst. Als sie mit der Post in der Hand zurück in die Küche gekommen war, hatte Derek von seiner Zeitung aufgesehen.

»Ist etwas Interessantes dabei?«

»Eigentlich nicht. Nur Rechnungen und Reklame.« Sie legte die Post auf die Arbeitsplatte.

Noch bevor sie überhaupt zu Ende gesprochen hatte, hatte er den Blick schon wieder auf die Zeitung gerichtet, und ausnahmsweise war Sophie froh über sein Desinteresse gewesen.

»Und wann ist es?«, flüsterte Kara in ihr Ohr.

»Am Montag nach der Arbeit. Was soll ich anziehen?«

»Vielleicht gehst du als französisches Dienstmädchen? Oder als lüsterne Krankenschwester?« Karas Lachen dröhnte schmutzig durch die Leitung.

»Ich meine es ernst, Kara. Die erwarten bestimmt jemand Cooles, Modernes, und mein Kleiderschrank besteht nur aus tödlich langweiligen Geschäftskostümen.«

»Dann solltest du deinen Glückssternen dafür danken, dass du mich hast.« Kara lachte. »Ich komme am Sonntag vorbei und helfe dir, etwas zu finden.«

»Du bist meine Rettung«, sagte Sophie und fühlte sich durch die Unterstützung ihrer Freundin gestärkt. »Ich besorge Wein. Dan ist ab morgen für zehn Tage verreist, wir haben das Haus für uns.«

»Abgemacht. Ich muss jetzt auflegen«, murmelte Kara. »Mein idiotischer Chef beobachtet mich.«

Einige Stunden später kippte Sophie einen Fertigsalat in eine Schüssel, verteilte etwas Dressing darüber und stellte ihn in die Mitte des Esstischs. Ein zartes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie die Hand auf das kühle Holz legte. Es war ein großer Eichentisch, und sie konnte sich noch gut erinnern, wie sie Dan vor ein paar Jahren eine neue Krawatte gekauft und für ihn Pretty Woman gespielt hatte. Als er nach Hause kam und sie nackt in hochhackigen Schuhen und mit dem Geschenk um den Hals sah, lockerte er seine Krawatte, und sie weihten den Esstisch ein. Und gleich darauf auch noch die Treppe.

Wenn sie jetzt daran dachte, konnte Sophie sich kaum mehr vorstellen, dass das je passiert war.

Wer waren diese Leute gewesen?

Dan hatte sie gleich vom ersten Augenblick an umgehauen, und als er an ihrem einundzwanzigsten Geburtstag um ihre Hand anhielt, musste Sophie nicht lange nachdenken. Klar, sie waren jung, aber sie waren verliebt, und so scheiterte jeder Versuch ihrer Familien, sie von ihrem Entschluss abzubringen. Im Großen und Ganzen war in ihrer Ehe auch alles in Ordnung. Stellt sich nicht bei allen längeren Beziehungen eine gewisse Routine ein, wenn das erste wilde Verlangen nachgelassen hat? Sophie hatte genügend Artikel in Illustrierten gelesen, um zu wissen, dass sie durchaus nicht allein war. In den meisten lebenslangen Liebesbeziehungen zählte spontaner Sex auf dem Küchentisch eher zu den Ausnahmen. Und, um ehrlich zu sein, war es nicht allein Dans Schuld. Sophie hätte sich genauso gut etwas einfallen lassen können. Aber was? Und wann? Dan war so viel unterwegs, dass man ihn als Teilzeitehemann bezeichnen konnte, wenn es so etwas gab.

Was Sophie demzufolge zur Teilzeitehefrau machte. Der Gedanke beunruhigte sie, und sie hatte noch immer eine nachdenkliche Falte auf der Stirn, als Dan wenig später durch die Tür trat.

»Alles klar, Süße?« Er küsste sie auf die Stirn und stellte seine Aktentasche ab.

Sophie lächelte und schob ihre melancholische Stimmung beiseite. Heute war ihr letzter gemeinsamer Abend, bevor Dan zehn Tage wegfuhr, und nicht der rechte Augenblick, um Staub aufzuwirbeln. »Alles okay«, sagte sie. »Hast du Hunger? Ich habe Pizza gemacht.«

Dan schlüpfte aus seiner Anzugjacke und ging auf die Treppe zu.

»In Ordnung. Ich ziehe mich nur schnell um, dann bin ich sofort wieder hier.«

Sophie schnitt die Pizza auf und stellte Wein auf den Tisch. Als Dan in alten Jeans und einem weißen T-Shirt wieder herunterkam, lächelte sie. Seine Haare waren noch feucht vom Duschen, und seine Füße nackt. In Momenten wie diesem, wenn er keinen Anzug trug und nicht den Blackberry ans Ohr hielt, gehörte er wieder ihr. Sie hatten jede Beförderung seiner steilen Karriere gefeiert, doch mit jeder Gehaltserhöhung stieg auch seine Verantwortung, und er musste immer mehr reisen.

»Das ist nett.« Er deutete mit dem Kopf auf den gedeckten Tisch mit den Kerzen.

»Ich dachte, ein bisschen Romantik könnte uns nicht schaden.«

Dan lachte und griff nach der Weinflasche. »Immer mit der Ruhe, Sophie. Ich bin total kaputt.«

Sophies Lächeln verblasste, während sie die Pizza auf den Tellern verteilte. »Dann iss und tank neue Kraft.«

Dan nahm Messer und Gabel und...